Pädagogik

Konsequente Ausrichtung an der Freinetpädagogik –

Das „Besondere“ des pädagogischen Konzepts  

Da die Pädagogik Freinets seit den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts aus der Praxis für die Praxis entwickelt wurde und in den letzten Jahrzehnten immer wieder den gesellschaftlichen Entwicklungen und Erfordernissen angepasst wurde, ist es überhaupt nicht verwunderlich, dass die Freinetbewegung sowohl in Frankreich als auch in der Bundesrepublik viele Anhängerinnen hat. Im Gegensatz zu französischen Schulen, in denen wesentlich häufiger und in einem wesentlich stärkeren Maße die Freinet-Pädagogik umgesetzt wird, ist dies in der Bundesrepublik eher selten der Fall.

Die Detmolder Alternativschule möchte darum ein kleiner Mosaikstein der Veränderung sein: Sie wird dieses „aus der Praxis – für die Praxis“ entwickelte Konzept der Pädagogik Freinets in ihrer Schule umsetzen. Dabei stehen die Schülerinnen im Vordergrund; wenn ein Kind bzw. Jugendlicher mit dem Selbstlernkonzept Freinets nicht zu Recht kommt, werden wir mit ihm andere Wege gehen und es dabei begleiten „sein“ Konzept zu finden. Wir werden darum nicht dogmatisch sagen – nur nach Elise und Célestin Freinet wird bei uns gearbeitet – sondern wir werden mit offenen Augen die Angebote der Reformpädagogik verwenden, die uns dann für diese Schülerin geeignet erscheinen.

Die Detmolder Alternativschule gibt ihren Schülerinnen die Chance sich den geforderten Lerninhalten individuell und ganzheitlich zu widmen. Sie bietet Projektarbeit in  altersgemischten Gruppen an. Es gibt täglich Zeiten um zusammenzukommen und sich auszutauschen (Morgenrunde, Abschlussrunde, Mittagessen …).

Die vier Grundprinzipien der Freinetpädagogik, die auch Grundprinzipien der Detmolder Alternativschule sind, unterscheiden sich in seiner Durchgängigkeit und in Kombination mit anderen Merkmalen der Detmolder Alternativschule von öffentlichen Schulen:

    1. Die freie Entfaltung der Persönlichkeit: Beim freien Schreiben, Gestalten, Rechnen, Musizieren … lernen die Schülerinnen sich zu öffnen und auf andere ein zu gehen. Eine solche Entfaltung ist wesentlich für die Persönlichkeitsentwicklung.
    2. Kritische Auseinandersetzung mit der Umwelt: Die Lebenswelt der Schülerinnen (und nicht der Lehrerinnen!) und deren Bedürfnisse bilden den Ausgangspunkt für praktische Arbeitsvorhaben, Untersuchungen und Erkundungen. Zentral dafür ist ein tastend forschendes Herangehen an eine Fragestellung.
    3. Selbstverantwortlichkeit: Die Schülerinnen sollen lernen, nicht nur die eigene Situation ein zu schätzen und die Arbeit nach selbst gewählten Maßstäben zu organisieren, sondern auch die persönliche Identität und die Verschiedenartigkeit der Mitschülerinnen zu respektieren.
    4. Kooperation und gegenseitige Verantwortlichkeit: Demokratisches Zusammenleben ist kein abstrakter Unterrichtsinhalt, sondern wird gelernt in einer Atmosphäre von Vertrauen zu der die offene Diskussion von Konflikten und die gegenseitige konstruktive Kritik und Hilfe ebenso gehört wie das Hinterfragen und Neuerarbeiten von Regeln und Strukturen in der Gruppe.

Zur Verwirklichung dieser vier Grundprinzipien werden u.a. folgende Techniken, Methoden und Arbeitsmittel eingesetzt:

      • Klassenrat bzw. Morgenversammlung
      • Klassen- und individueller Arbeitsplan
      • Dokumentation und individuelle bzw. gemeinsame Bilanz der geleisteten Arbeit
      • Freier Ausdruck
      • Natürliche Methode
      • Druckerei, Computer
      • Klassenzeitung
      • Korrespondenz
      • Arbeitsateliers (Verschiedene Lernangebote im Klassenzimmer)
      • Arbeitsbibliothek und Schülerinnenkarteien
      • Erkundungen und Untersuchungen außerhalb des Klassenraumes
      • Projektarbeit
      • Waldschule
      • Präsentationen
      • Vorträge
      • Klassenfahrten

Konkret heißt das: Die Detmolder Alternativschule knüpft an die von Elise und Célestin Freinet entwickelte und inzwischen in vielen Facetten weiterentwickelte Pädagogik an. Eine herausragende Repräsentantin der Freinet-Pädagogik in der Bundesrepublik Deutschland – Prof. Dr. paed. habil. Ingrid Dietrich – schreibt so beispielsweise im Vorwort zu ihrem „Handbuch der Freinet-Pädagogik“ (Hrsg., Dietrich, Ingrid, Weinheim, 1995, S. 8): „Freinet-Pädagogik ist in den letzten Jahren von einem Geheimtipp für Insider zu einem der meistdiskutierten reformpädagogischen Konzeptionen avanciert. LehrerInnen aller Schulstufen, die ihren Unterricht öffnen wollen für die Impulse der SchülerInnen, greifen immer häufiger auf Arbeitsformen und Techniken zurück, die im Rahmen der Freinet-Pädagogik entwickelt wurden. So ist auch der bald hundertste Geburtstag ihres Begründers Célestin Freinet kein Indiz für Verstaubtheit und Lebensferne dieser Konzeption, sondern seine Ideen zur Umgestaltung des Schulalltags sind erstaunlich aktuell und lebendig geblieben. …Freinet-Pädagogik heute kann auch losgelöst von ihrem historischen Entstehungszusammenhang und der Person ihres Gründers praktiziert werden. Dies unterscheidet sie beispielsweise von Waldorf- oder Montessori-Pädagogik. …Sie wird zumeist als Ideen-Steinbruch betrachtet, aus dem sowohl ganze Blöcke als auch Einzel-Elemente entlehnt werden können, um den Unterricht in allen Schulformen (…) offener, lebensbezogener, schülerfreundlicher zu gestalten.“

Zentral für uns sind hier die Aussagen, den Unterricht so zu gestalten, dass er nicht nur schülerfreundlich und lebensbezogen ist, sondern auch offen z.B. – aber auch vor allen Dingen – gegenüber den Lernideen der Schülerinnen. Freinet sieht das in seinen Beiträgen „Freie Aktivität“ und „Organisiert begeisternde Arbeiten“ genauso (Text aus: J. Hering u W. Hövel, Hrsg.: Immer noch der Zeit voraus, 1996, Bremen. Original in: E. Freinet: Naissance d’une pédagogie populaire, Paris, 1972): „Das Kind(Jugendlicher), dem man Aktivitäten anbietet, die seinen physischen und psychischen Bedürfnissen entsprechen, ist immer diszipliniert, d. h. es hat weder Regeln noch äußere Verpflichtungen nötig, um allein oder in Kooperation mit anderen auch einer anstrengenden Arbeit nachzugehen. Zwar müssen wir auch dann, wenn die Schüler ihren Bedürfnissen und Interessen gemäß arbeiten, manchmal eingreifen, um die Arbeit und die Aktivität unserer Gruppe zu organisieren. Aber die normalen schulischen Disziplinierungsprobleme gibt es bei uns nicht – woher auch? …Haben Sie schon bemerkt, wie brav und leicht zu ertragen Ihre Kinder zu Hause oder in der Schule sind, wenn sie sich ganz mit einer Sache beschäftigen, die sie fesselt? Das Disziplinproblem stellt sich nicht mehr: es genügt, eine begeisternde Arbeit zu organisieren.“

Pädagogische Grundsätze der Freinet-Pädagogik – Grundsätze der Detmolder Alternativschule

Die Freinetpädagogik eignet sich für eine sozial orientierte, ich-starke Persönlichkeitsentwicklung in besonders gutem Maße und wird darum in allen Bereichen der Detmolder Alternativschule eingesetzt.

Diesem Ziel dienen auch die zehn „pädagogischen Grundsätze der Freinet-Pädagogik“, die in der Pädagogik der Detmolder Alternativschule umgesetzt werden:

  1. Die Schülerinnen haben das Recht auf ihren eigenen Lernprozess, ihre eigenen Entwicklung und ihre Individualität. Dies gilt besonders auch für ausländische Kinder und Kinder anderer Muttersprache.
  2. Die Verschiedenheit der Lernenden ist eine Bereicherung – ihre ‚Gleichschaltung’ ist verderblich.
  3. Die Lernenden haben das Recht auf ihren eigenen Lernrhythmus.
  4. Das Lernen soll Freude machen und in Erfolgserlebnissen münden.
  5. Auslese aufgrund von Konkurrenz und Misserfolg soll so weit wie möglich abgebaut werden.
  6. Nicht Übernahme ‚fertiger’ Ergebnisse, sondern eigenes Experimentieren und ‚tastendes Versuchen’ sind Ziele des Lernprozesses.
  7. Nicht Beeinflussung durch beispielsweise vorgegebene ‚Schulbuch-Weisheiten’, sondern eigene kritische Untersuchungen der Wirklichkeit sollen das Denken der Schülerinnen bestimmen.
  8. Die Schülerinnen sind Initiatorinnen und Organisatorinnen ihres eigenen Lernprozesses (mit Hilfe von individuellen Arbeitsplänen, Arbeitsmaterialien zur Selbstkorrektur, freien Texten und individueller Bewertung von Lernfortschritten).
  9. Das Lernen der Klassengruppe soll in gemeinsamer Verantwortung kooperativ organisiert werden.
  10. Die Selbstregulierung von Konflikten erfolgt in den Kreisversammlungen und mittels Schüler-Mediatorinnen. (Leicht veränderte Fassung von: Dietrich, Ingrid, Hrsg., Handbuch Freinet-Pädagogik, Weinheim und Basel 1995, S. 27)

Unterricht nach Freinet bedeutet für uns auch eine größtmögliche Offenheit der Lernsituation an zu streben, die der Stärkung der Kinder bzw. Jugendlichen im Hinblick auf ihre Selbsteinschätzung, ihre Sach- und Sozialkompetenz dient.

Unterricht in der Detmolder Alternativschule

Man kann fünf unterschiedliche Aspekte geöffneten Unterrichts in Weiterentwicklung Freinets unterscheiden:

  • Aspekt der organisatorischen Offenheit

besagt, dass die Rahmenbedingungen ihres Lernens von den Schülerinnen selbst festgelegt werden. Die Kinder und Jugendlichen können ihren Lernort, den Zeitpunkt ihres Arbeitens und die Partnerinnen für ihr Vorhaben selbst wählen. In freier Zeiteinteilung können die Kinder und Jugendlichen auch längerfristige Arbeitsvorhaben realisieren. Allerdings geschieht diese im Rahmen des dargestellten Stundenplans.

  • Aspekt der methodischen Offenheit

bedeutet, dass die Kinder und jugendlichen ihren Lernweg selbst festlegen können. Sie haben die Chance, sich innerhalb der sich miteinander über Inhalte, Verfahren, Kompetenzen austauschenden Lerngruppe von Schülerinnen und Lernbegleiterinnen immer wieder selbst neu für ihre Lernziele entscheiden zu können. Sie können jederzeit experimentieren und dem eigenständigen Lernen auch individuelle Formen geben.

  • Aspekt der inhaltlichen Offenheit

besagt, dass die Schülerinnen selbst gesteuert und von ihren eigenen Interessen geleitet sich die Inhalte ihres Lernens selber suchen. Unabhängig von der Lernbegleitung findet eine Individualisierung statt, da Lerninhalte durch die Auseinandersetzung der Schülerinnen mit ihrer Umwelt entwickelt werden.

  • Aspekt der sozialen Offenheit

Ermöglicht die Offenheit des sozialen Miteinanders. Demokratische Strukturen und selbst verwaltete Organisationsformen im Schulalltag schaffen optimale Bedingungen für Lernen im sozialen Bereich, da es den Kindern bzw. Jugendlichen möglich ist, an den Rahmenbedingungen ihres Miteinanders und Lernens mitzugestalten und die so geschaffenen Strukturen als sinnvoll und notwendig anzusehen.

  • Aspekt der persönlichen Offenheit

bedeutet die prinzipielle Gleichberechtigung aller Schülerinnen in der Unterrichtssituation; dies gilt auch für die Lernbegleitung. Alle haben Anspruch auf eine ansprechende Arbeitsumgebung und angemessene Arbeitsmöglichkeiten. In einer persönlichen Umgebung innerhalb der Unterrichtssituation gelten sämtliche Regeln und Absprachen für alle gleichermaßen.

Ergänzende methodische Grundsätze und Techniken der Freinet-Pädagogik in unserer Schule

Zur Ergänzung stellen wir hier weitere methodische Grundsätze und Techniken der Freinet-Pädagogik vor, die in unserer Schule eingesetzt werden:

Freier Ausdruck auf allen Ebenen

  • verbal – freie Texte
  • bildlich – freie Bilder, Zeichnungen, Collagen
  • körperlich – Rollenspiel, Tanz, Theater
  • musikalisch – freies Experimentieren mit Klangkörpern, produktiver Umgang mit Musik aller Art
  • Diskussionen und Debatten zu selbst gewählten Themen

Produktives Umgehen mit Texten, Medien, Informationen

  • freie Texte, (Gedichte) selbst verfassen
  • Geschichten erfinden
  • Rollenspiele entwerfen und vorführen
  • kurze Videos produzieren
  • Texte drucken: Schuldruckerei! Computer!
  • Arbeitsmaterialien selbst erstellen

Lernen durch Kommunikation und Kooperation

  • Kreisversammlungen wie Morgenkreis und Abschlusskreis
  • Klassenreise zur Korrespondenzklasse
  • Klassendienste
  • Wandzeitungen
  • selbst gewählte Arbeitsgruppen

Öffnung des schulischen Lernens auf die reale Umgebung hin – Durchbrechung der Trennung von Schule und Leben

  • Erkundungen
  • Untersuchungen
  • Projekte
  • Klassenkorrespondenz
  • Veröffentlichung von Arbeitsergebnissen in Form von: Klassenzeitung, Klassenkorrespondenz, Anschlagtafeln, Wandzeitungen, Ausstellungen, Reportagen, Vorträgen, Filmen, Einladung von „Expertinnen“, kritisches Verfolgen von Tagesereignissen, Nutzung von Computer, Fax, Telefon als Kommunikations- und Arbeitsmittel

Lernen, das Lernen selbst zu organisieren

  • freie Arbeit
  • individuelle und kollektive Arbeitspläne
  • individualisierte Arbeitsmittel
  • Arbeitsbibliothek und Dokumentensammlung

Lernen durch tastendes Versuchen:  Anregende Lernumgebung als Voraussetzung für :

  • entdeckendes Lernen
  • experimentieren
  • natürliche Methode

Lernen durch Handeln

  • Lernen in Ateliers: etwas herstellen, gestalten, darstellen, dokumentieren etc.
  • Produktiver Umgang mit Technik

Interkulturelles Lernen

  • Akzeptieren von Verschiedenheit
  • Konfliktfähigkeit
  • Internationale Sensibilität und Solidarität
  • Aufbrechen der eurozentristischen Perspektive

Lernen ohne Auslese

  • viele verschieden Arten von Erfolg ermöglichen
  • Bewertung am individuellen Lernfortschritt
  • Respekt vor der Leistung jedes einzelnen

(Methodische Grundsätze in Anlehnung an:  Dietrich, Ingrid, Hrsg., Handbuch Freinet-Pädagogik, Weinheim und Basel, 1995, S. 27 – 29)

Passend zum oben gesagtem möchten wir noch einmal Célestin Freinet zu Wort kommen lassen:

„Um sich zu bilden, genügt es nicht, dass das Kind (Jugendlicher) jeden Stoff in sich hineinfrisst, den man ihm mehr     oder weniger spannend serviert: es muss selbst handeln, selbst schöpferisch sein. Und es muss vor allem in einer angemessenen Umgebung leben können,…Leben, so intensiv wie möglich zu leben, liegt nicht darin letztlich das Ziel all unserer Anstrengungen? Und die Fähigkeit zum Leben so gut wie es nur irgend geht zu entwickeln, sollte das nicht Aufgabe der Schule sein?“  (Aus: C. Freinet, Pädagogische Texte, Hrsg., von H. Boehncke und Ch. Hennig, Hamburg 1980, S. 25)

Dieser Vielfalt möglicher Lernformen versucht die Detmolder Alternativschule bei der Gestaltung und Planung des Lerngeschehens durch das regelmäßige Stattfinden lassen von Projekten und vielen sonstigen Aktivitäten gerecht zu werden.

Allerdings scheuen wir uns auch nicht auf seit Jahrzehnten bewährte Elemente der Freinet-Pädagogik an zu knüpfen wie beispielsweise der Schuldruckerei; da es zu Freinets Zeiten noch keine Computer in der Schule gab, ist eine Integration dieser „neuen“ Medien jedoch notwendig und auch sinnvoll:

Ein Beispiel der Freinet-Pädagogik aus der Praxis: Die Schuldruckerei

Die Schuldruckerei ist ein Arbeitsmittel der Freinet-Pädagogik und wird auch “Freinet-Druckerei” genannt. Sie steht in einer Arbeitsecke (Atelier) oder in einem separatem Raum und enthält mehrere Schriftkästen mit Buchstaben, Zeichen und Zahlen von unterschiedlicher Größe und Form. Des Weiteren gehört eine kleine Presse zum Umfang der Schuldruckerei. Die Schülerinnen können hier selbst verfasste Texte – mit normalen Materialien und Geräten aus dem Buchdruck – setzen und diese drucken. Dafür muss jeder Buchstabe von Hand in einen Messinghalter (Setzrähmchen) geschraubt und Zeile für Zeile auf eine Presse gelegt werden. Anschließend werden die Zeilen mit Druckfarbe eingewalzt und auf einer Klappflügelpresse oder Rollenpresse gedruckt.

Nach einer Einführung für die gesamte Klasse, drucken im Laufe eines Schultages immer verschiedene Kleingruppen von zwei bis drei Schülerinnen mit der Druckerei; vorstellbar ist im Zuge des weiteren Aufbaus der Schule auch die Anschaffung mehrerer Druckplätze und die Betreuung durch ein Elternteil.

Ziele der “Freinet-Druckerei”

Mit der Druckerei können die Schülerinnen ihre eigenen Texte (aus ihrem Leben, im Freien Ausdruck) selbständig dokumentieren, präsentieren und vervielfältigen. Dies geschieht in einer Arbeitsecke (Atelier) mit Druck-Materialien.

Hauptziel des Arbeitens mit der Druckerei ist es, den “Kindern das Wort” zu geben und “weg von den Lehrbüchern”.

  • Die Druckerei regt zum spontanem und kreativen Schreiben an und fördert die Rechtschreibung.
  • Die Texte aus der Lebenswelt (Freier Ausdruck) ersetzen zum Teil Arbeitsblätter oder Lehrbücher (vorlesen, Unterricht anhand der eigenen Texte).
  • Die Klassenzeitungen werden an Korrespondenzklassen geschickt (Kommunikation mit anderen Städten).
  • Sie motiviert zu selbständigem Arbeiten und unterstützt das soziale Lernen in der Gruppe (Kooperation und gegenseitige Hilfe).
  • Evtl. hinzu kommende Illustrationen vertiefen nochmals das eigene Erlebnis, das Experiment oder die Exkursion

Darüber hinaus ist die Arbeit mit der Schuldruckerei mit der Verwirklichung zahlreicher pädagogischer Anliegen verbunden; so kann dieses Arbeitsmittel durchaus auch dazu dienen, den Schülerinnen den Klassenraum zu einem Lebensraum werden zu lassen:

  • Schuldruckerei motiviert und aktiviert: gelingendes und gelungenes sind Anlass zu Freude und neuen Taten. Die Schuldruckerei bietet ein breites Feld unterschiedlicher, aber gleichgewichtiger Aufgabenbereiche, für die sich die Kinder (Jugendlichen) entscheiden und durch die sie mit ihren persönlichen Fähigkeiten Erfolgserlebnisse erreichen können.
  • Schuldruckerei teilt Verantwortung zu: Selbständiges, eigenverantwortliches Arbeiten – während sich vielleicht die übrige Klasse mit anderen Aufgaben beschäftigt – ist eine wesentliche Voraussetzung. Einbezogen ist die Notwendigkeit, in dieser Situation immer wieder eigenständige Entscheidungen treffen zu müssen.
  • Schuldruckerei stärkt das Selbstbewusstsein: Im freien Text schreiben zu dürfen, was mich beschäftigt, wirkt befreiend. Diese Aussagen setzen, drucken und sie somit einer Öffentlichkeit zugänglich machen zu können, stärkt das Selbstbewusstsein.
  • Schuldruckerei gibt dem Schreiben Sinn: Zu häufig vergessen wir, dass Schülerinnen nicht allein für die Lehrerin schreiben wollen. Über das Drucken wird ein Leserinnenkreis angesprochen, der interessiert, zustimmend oder kritisch zur Kenntnis nimmt. Als ein Dokument erhält der Text Bedeutung.
  • Schuldruckerei fördert Gemeinschaft: Vor der Entscheidung, welcher Text gedruckt werden soll bis zum fertigen Gemeinschaftswerk steht in zahlreichen Stationen das „Wir“ – das Zusammenwirken, die Rücksichtnahme, die persönliche Leistung nach besten Kräften für alle – im Mittelpunkt.
  • Schuldruckerei schlägt die Brücke nach „draußen“: Die Eltern, eine Partnerklasse und für die Kinder bzw. Jugendlichen wichtige Personen erhalten, was in der Schuldruckerei entsteht. Schule schlägt in einer natürlichen Weise die Brücke über den eigenen Bereich hinaus.
  • Schuldruckerei fordert Leistung: Leistungen, die über die Schuldruckerei gefordert werden, betreffen ganz unterschiedliche Bereiche. Aspekte wie selbständiges, sauberes Arbeiten, fehlerfreies Schreiben, Ausdauer, Zuverlässigkeit und Kooperationsfähigkeit sind Grundlage für das Gelingen eines Druckerzeugnisses. Damit haben sich die Kinder bzw. Jugendlichen auch auf Gebieten zu bewähren, die normalerweise durch den Unterricht nicht in diesem Maße zur Geltung kommt und deshalb eine wertvolle Ergänzung darstellt.

Freinetdruckerei, Erziehung und neue Medien

An der Detmolder Alternativschule wird der Computer als Arbeitsmittel zum selbständigen Lernen eingesetzt. U. a. dient er zur Textverarbeitung und Textbearbeitung und ist gerade dabei ein nicht zu unterschätzendes Instrument, da damit nicht nur im Bereich „Deutsch“, sondern auch in Mathematik oder im Sachunterricht (Sekundarstufe: Gesellschaftslehre) wesentlich leichter gestaltet, probiert, kopiert, korrigiert oder verglichen werden kann.

Möglich sind vor allem auch die Erstellung von

  • Sachtexten wie eigenen Geschichten evtl. auch mit Bildern
  • Vorträgen
  • Plakaten
  • Erzählungen
  • Korrespondenzen mit befreundeten Schulen
  • Übersichten
  • Listen und Tabellen z.B. auch zur Organisation der Lerngruppen

Für Kinder bzw. Jugendliche, die motorische Schwierigkeiten beim Schreiben haben, kann das „schöne“ Schriftbild neu motivierend sein.

Auch die Rechtschreibüberprüfung an Hand des Computers ist sinnvoll, da diese Fehlerdiagnose manchmal leichter angenommen werden kann, als die der Lehrerin und sie so scheinbar neutral vorgetragen wird (mit roten Unterstreichungen).

Gerade für etwas ältere Schülerinnen sind für ihre Vorträge auch die vorhandenen Präsentationsprogramme gut nutzbar (z.B. Powerpoint).

Hinweis: Wir haben meist die weibliche Form benutzt – männliche Schüler sind dabei immer mit gemeint.

Wichtig ist der Einsatz des Computers als ein Werkzeug, so dass sich für die Kinder Vor- und Nachteile der Nutzung erschließen und eine evtl. falsche Nutzung zu Hause als bloßes Spielzeug korrigiert werden kann.

So ergänzen sich Schuldruckerei und Computer, denn keines der beiden Werkzeuge kann das andere vollwertig ersetzen, sie können sich jedoch durch ihre unterschiedliche Funktion ideal ergänzen.

Nicht nur Elise und Celestin Freinet ist es wichtig die Motivation der Kinder zu erhalten; in dem Text „Dem Kind Durst machen“ formulierte Freinet dies so: „Machen Sie durstig, auf welchen Umwegen auch immer. Stellen Sie Kreisläufe her. Entlocken Sie dem Kind den inneren Wunsch nach der ersehnten Nahrung. Dann werden sich die Augen beleben, die Münder öffnen, die Muskeln bewegen. Verlangen entsteht und nicht Langeweile oder Widerwillen. Lernfortschritte ergeben sich von nun an ohne unnormales Einschreiten Ihrerseits in einem Rhythmus, der nichts mehr mit dem herkömmlichen Vorgehen der Schule gemein hat.“ (C. Freinet in Hering, Jochen/Hövel, Walther, Hrsg., Immer noch der Zeit voraus, Bremen, 2. Auflage, 1999, S. 245). Dasselbe versuchen wir in der Detmolder Alternativschule zu leben und um zu setzen.

 

Inhaltliche Schwerpunkte

Im folgenden haben wir einige wichtige Aspekte heraus gegriffen.

Lebenspraktisches Lernen

Holzwerkstatt, Schulgarten, …

Außerschulische Lernorte

Exkursionen, Schulfahrten, Klassenfahrten

Soziales Lernen

Leitung von Gesprächsrunden, Helferprinzip, Projektgruppenarbeit, Streitschlichtung

Selbstlernmaterial, Selbstkontrollverfahren.

Inklusion: Kinder, Jugendliche mit und ohne Förderbedarf lernen gemeinsam!

Stufenübergreifende Lerngruppen: Stufe 1-4 sowie 5 -7 und 8 – 10 lernen gemeinsam

Tages- und Wochenpläne

in der Primarstufe täglich, in Sekundarstufe I (Sek I) eine pro Woche

Vier Projektstunden pro Woche (Sek I):

Hier werden fachübergreifend Themen projektorientiert bearbeitet.

Projektwochen im Schuljahr:

  1. musisch-kreativ, klassenübergreifend
  2. erlebnisorientiert, klassenintern
  3. naturwissenschaftlich orientiert
  4. thematisch nicht festgelegt

Projektarbeiten und Facharbeiten (Sek I):

Individuelle SchülerInnenarbeiten, deren Anspruch und zeitlicher Aufwand bis zum Ende der 10. Klasse kontinuierlich zunimmt

Gemeinschaft feiern

  • Schulfeste
  • Sommerfest, Winterfest, klasseninterne Feiern
  • Einschulungsfeier
  • Schulabschlussfeier

Beurteilungen

  • Jahresbriefe zum Schuljahreswechsel in allen Jahrgangsstufen
  • ab der 10. Jahrgangsstufe gibt es zusätzliche Ziffernzeugnisse
  • halbjährlich finden Sprechtage statt, an denen Eltern und SchülerInnen teilnehmen

Praktika und Berufsvorbereitung

  • In den Jahrgängen 8, 9 und 10 findet je ein 14-tägiges Betriebspraktikum statt
  • Erstellen von Praktikumsberichten
  • Kooperation mit dem Arbeitsamt
  • Bewerbungstrainings
  • zweistündiger WP II-Unterricht ab der 9. Jahrgangsstufe mit dem Schwerpunkt “Berufsvorbereitung und Werdegangsfindung”

Beratung und Begleitung

  • Schullaufbahnberatung 1.-13. Jahrgang
  • Früherkennung ab der 1. Jahrgangsstufe
  • Kooperation mit einigen Beratungsstellen und therapeutischen Institutionen

Emanzipatorische Erziehung

  • Getrennte Mädchen- und Jungenangebote
  • Präventionsangebote für Mädchen und Jungen

Fachunterricht

Grundlage für die Unterrichtsinhalte sind in allen Jahrgängen die Richtlinien des Landes NRW. Der Stundenumfang orientiert sich an den vorgegebenen Stundentafeln für die Primarstufe und der Gesamtschule.

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